Section Control misst in Österreich nicht an einem Punkt, sondern deine Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer ganzen Strecke, indem sie Kennzeichen und Uhrzeit an Anfang und Ende vergleicht. Die erste Anlage ging 2003 im Kaisermühlentunnel in Wien in Betrieb, 2023 nannte die ASFINAG sechs feste und 20 mobile Anlagen. Die längste feste Messstrecke in unserer Übersicht liegt im Plabutschtunnel bei Graz und ist gut 10 km lang.
| Anlage | Straße | Messstrecke laut Verordnung | Seit |
|---|---|---|---|
| Kaisermühlentunnel | A 22 | km 1,53 bis 3,84, beide Richtungen | 2003 |
| Wechsel, Krumbach bis Grimmenstein | A 2 | km 73,05 bis 67,09, Richtung Wien | 2005 |
| Ehrentalerbergtunnel | A 2 | km 317,14 bis 320,60, beide Richtungen | 2009 |
| Plabutschtunnel | A 9 | km 174,60 bis 184,89, beide Richtungen | 2011 |
| Bindermichl und Niedernhart | A 7 | Siehe Beschilderung | 2014 |
| Arlbergtunnel | S 16 | Siehe Beschilderung | 2018 |
Was ist Section Control?
Section Control ist eine Abschnittskontrolle, die das Tempo über eine festgelegte Strecke misst und daraus einen Durchschnittswert bildet. Das Gesetz nennt sie abschnittsbezogene Geschwindigkeitsüberwachung, geregelt in § 98a der Straßenverkehrsordnung 1960. Die Behörde darf sie einsetzen, wenn das zur Erhöhung der Verkehrssicherheit oder zum Schutz vor Gefahren, Lärm und Schadstoffen dringend erforderlich erscheint.
Der Unterschied zum klassischen Blitzer ist einfach. Ein Radar misst dein Tempo an einem einzigen Punkt, die Section Control beobachtet den ganzen Abschnitt. Deshalb passt sie gut zu Tunneln, Brücken und Baustellen, wo ein gleichmäßiger Verkehrsfluss besonders wichtig ist. In Deutschland ist so eine Anlage zurzeit nicht in Betrieb, wie unser Überblick Welche Blitzer gibt es in Deutschland? erklärt.
Seit wann gibt es Section Control in Österreich?
Section Control gibt es in Österreich seit September 2003, als die erste Anlage im Kaisermühlentunnel auf der A 22 in Wien ihren Betrieb aufnahm. Die älteren Verordnungen stützen sich noch auf § 100 Absatz 5b der Straßenverkehrsordnung, neuere auf § 98a. Die ASFINAG blickte 2023 auf 20 Jahre Betrieb zurück und bezeichnete die Technik als Erfolgsrezept für mehr Verkehrssicherheit.
Wie funktioniert die Abschnittskontrolle?
Die Abschnittskontrolle erfasst dein Fahrzeug bei der Einfahrt und bei der Ausfahrt und vergleicht die Fahrzeit mit der Mindestfahrzeit, die sich aus dem Limit ergibt. So beschreibt es die ASFINAG, die Autobahngesellschaft des Bundes:
- Bei der Einfahrt in den Abschnitt werden Kennzeichen und Zeitstempel erfasst.
- Bei der Ausfahrt passiert das Gleiche noch einmal.
- Das System vergleicht beide Zeitstempel und ermittelt den Durchschnitt.
- War die Fahrzeit kürzer als vorgesehen, wurde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten.
- Wurde das Limit eingehalten, werden die Daten gelöscht.
Wie lange dauert eine Messstrecke?
Das hängt von Länge und Limit ab, und die Rechnung ist einfach. An der Luegbrücke auf der A 13 sind es 2,52 km bei 60 km/h, die Fahrt dauert also rund zweieinhalb Minuten. Wer früher am Ende ankommt, war im Durchschnitt zu schnell. Die festen Strecken sind unterschiedlich lang: rund 2,3 km im Kaisermühlentunnel, 3,5 km im Ehrentalerbergtunnel, 6 km am Wechsel und 10,3 km im Plabutschtunnel.
Erkennt Section Control Lkw und Pkw?
Ja, die Anlagen unterscheiden zwischen ein- und mehrspurigen Fahrzeugen sowie zwischen Pkw, Bussen und Lkw. Eine Anlage kann deshalb verschiedene Limits gleichzeitig überwachen, wenn für Fahrzeugarten unterschiedliche Vorgaben gelten.
Was passiert bei mehreren Auffahrten?
Auch Strecken mit mehreren Auffahrten und Abfahrten lassen sich überwachen. Die ASFINAG spricht dann von Multi Section Control. Die Verordnung für den Knoten Linz-Hummelhof auf der A 7 zeigt das gut: Sie legt mehrere Messstrecken mit verschiedenen Rampen als Startpunkt fest.
Zählt nur der Durchschnitt?
Gemessen wird der Durchschnitt, das Limit gilt aber auf jedem Meter. Der Durchschnittswert ist also kein Guthaben, das du dir auf einem Teil der Strecke erarbeiten kannst. Am einfachsten und sichersten fährst du, wenn du das Tempo vom ersten bis zum letzten Schild gleichmäßig hältst. Genau das ist der Sinn der Anlage.
Wo steht Section Control in Österreich?
Feste Section Control steht in Österreich im Kaisermühlentunnel, am Wechsel, im Ehrentalerbergtunnel, im Plabutschtunnel, in Linz auf der A 7 und im Arlbergtunnel. Diese sechs Anlagen nannte die ASFINAG 2023 auf ihrem Netz von mehr als 2.300 km Autobahnen und Schnellstraßen. Das Foto zu diesem Artikel zeigt die Portale des Ehrentalerbergtunnels bei Klagenfurt mit der Technik auf dem Träger.
Fest installiert wird die Technik laut ASFINAG dort, wo andere Maßnahmen zur Tempodämpfung nicht ausreichen. Eine feste Anlage kostet laut APA-Bericht von 2023 etwa eine Million Euro, eine mobile rund 200.000 Euro. Die erste Anlage von 2003 steht bis heute im Kaisermühlentunnel, die jüngste feste Anlage auf der Liste kam 2018 im Arlbergtunnel dazu.
Dazu kommen Abschnitte auf Bundesstraßen, die nicht zum Netz der ASFINAG gehören. Autorevue nannte 2024 die B 37 am Gföhler Berg, die B 311 mit Schönbergtunnel und Schmittentunnel bei Zell am See sowie die B 156 zwischen Anthering und Weitwörth.
Eine vollständige, tagesaktuelle Liste aller Anlagen haben wir nicht gefunden. Der beste Anhaltspunkt ist das Rechtsinformationssystem des Bundes: Dort waren am 1. November 2026 rund 45 Messstrecken-Verordnungen als geltend geführt. Darunter sind allerdings auch ältere Baustellen, eine gültige Verordnung heißt also nicht, dass gerade gemessen wird.
Wo gibt es mobile Section Control in Baustellen?
Mobile Section Control steht vor allem in Baustellen, wo das Limit niedrig ist und die Spuren eng sind. Die Anlagen wandern mit den Bauarbeiten, deshalb ändern sich die Standorte laufend. Die ASFINAG nannte in Wien etwa die Hochstraße St. Marx und die Hochstraße Inzersdorf auf der A 23, 2023 stand eine Anlage auch auf der Nordbrücke. Diese Beispiele aus 2025 und 2026 sind im Bundesgesetzblatt veröffentlicht:
- A 13 Luegbrücke: Beide Richtungen, km 30,23 bis 32,75. Laut ADAC gelten dort ganzjährig 60 km/h, auch bei Verkehr auf zwei Spuren.
- A 14 Pfändertunnel: km 1,92 bis 8,65 Richtung Innsbruck, km 8,66 bis 1,90 Richtung München. Laut Bericht vom September 2026 lief die Messung werktags von 20 bis 5 Uhr bei Tempo 60, solange der Verkehr in einer Röhre lief.
- A 21 Mayerling bis Heiligenkreuz: Richtung Wien km 16,08 bis 24,19, in der Gegenrichtung km 24,19 bis 17,60.
- S 6 Tunnelkette Semmering: km 32,14 bis 41,32 Richtung St. Michael, km 41,34 bis 32,13 Richtung Seebenstein, jeweils im Gegenverkehr.
Die ASFINAG erwartete das Ende der Arbeiten im Pfändertunnel für Ende Oktober 2026, dort und an jeder anderen Baustelle gilt also immer, was die Tafeln vor Ort anzeigen. Weitere Verordnungen betreffen unter anderem die A 4 am Knoten Prater, die A 7 in Linz und die A 10.
Wie wird Section Control angekündigt?
Section Control muss angekündigt werden, denn laut § 98a sind Beginn und Ende der überwachten Messstrecke anzukündigen. Du fährst also nicht unvorbereitet in so einen Abschnitt hinein. Laut Autorevue ist jeder kontrollierte Abschnitt auf Autobahnen und Schnellstraßen mit einem Schild für Anfang und Ende gekennzeichnet.
Zusätzlich muss die Messstrecke durch Verordnung festgelegt werden, im Bundesgesetzblatt nachlesbar bis auf die Kilometerangabe. Sieben Tage vor dem Start muss die Behörde den Einsatz außerdem der zuständigen Landespolizeidirektion mitteilen. Die Abschnittskontrolle ist also das Gegenteil einer Überraschung: Sie soll sichtbar sein und das Tempo auf der ganzen Strecke beruhigen.
Was passiert mit meinen Daten bei Section Control?
Daten von Fahrzeugen ohne Überschreitung müssen laut Gesetz unverzüglich und nicht rückführbar gelöscht werden. Das steht in § 98a Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung. Nur im Überschreitungsfall dürfen die Daten länger verwendet werden, und nur so weit, wie es zur Identifizierung von Fahrzeug oder Lenker für das Verfahren nötig ist.
- Zugriff: Laut ASFINAG kann nur die Polizei auf die Daten zugreifen.
- Weitergabe: Die Polizei leitet erfasste Fälle an die Bezirkshauptmannschaft oder den Magistrat weiter.
- Mitfahrende: Können Personen außer dem Lenker nicht technisch ausgeschlossen werden, sind sie unverzüglich und nicht rückführbar unkenntlich zu machen.
Bringt Section Control mehr Sicherheit?
Ja, laut ASFINAG und Kuratorium für Verkehrssicherheit senkt Section Control das Tempo und die Zahl der Unfälle deutlich. Im Kaisermühlentunnel gingen die Unfälle im Verhältnis zum Verkehr um 50 Prozent zurück, seither gab es dort keinen tödlichen Unfall mehr. Auf festen Strecken nennt die ASFINAG bis zu 50 Prozent weniger Unfälle.
In Baustellen liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit laut ASFINAG um rund 7 km/h niedriger. Internationale Studien, die die ASFINAG zitiert, kommen auf etwa 30 Prozent weniger Unfälle insgesamt und mehr als 50 Prozent weniger schwere Unfälle.
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit schätzte 2023, dass es ohne diese Anlagen jedes Jahr etwa 280 Unfälle mit Personenschaden mehr gäbe, dazu rund 460 weitere Verunglückte und knapp 25 Todesopfer. Dazu kämen mehr als 110 Schwerverletzte. Es handelt sich um Schätzungen, aber sie zeigen die Größenordnung. Die Autobahn wird dadurch nicht nur für dich sicherer, sondern auch für die Menschen, die in den Baustellen arbeiten.
Was bedeutet das für deine nächste Fahrt durch Österreich?
Für deine nächste Fahrt durch Österreich heißt das: Stell dich in Tunneln und Baustellen auf gleichmäßiges Fahren ein, und nimm das Limit vom ersten Schild an ernst. Der Tempomat ist in solchen Abschnitten ein guter Helfer, wenn die Verkehrslage es zulässt. Welche Zahlen auf Autobahn, Landstraße und im Ort gelten, erklärt unser Ratgeber zu den Tempolimits in Österreich.
Ghost macht diese Fahrt noch ruhiger. Die App warnt dich etwa 700 m vor bekannten Abschnittskontrollen und festen Blitzern und bei 250 m noch einmal, mit einem einzigen Ton statt einer Stimme. So bist du schon vor dem ersten Schild im richtigen Rhythmus, auch mitten im Urlaubsverkehr und auf Strecken, die du nicht kennst. Ghost läuft im Hintergrund neben jeder Navi-App, auf CarPlay, Android Auto und der Apple Watch, und kennt mehr als 125.000 Blitzer weltweit.
Vor Polizeikontrollen warnt Ghost nicht, und Radar erkennt es nicht. Auch an wechselnden Baustellen bleibt deshalb die Tafel vor Ort dein Maßstab. Wer schon vor der Abfahrt in Deutschland die Regeln kennen will, liest am besten auch unseren Ratgeber zum Tempolimit auf deutschen Autobahnen.